Epiphytische Kakteen

Heimat und Lebensweise

Mit dem Begriff Kakteen verbindet sich allgemein die Vorstellung von Pflanzen, die lichtdurchflutete und von extremen Dürreperioden gekennzeichnete Gebiete bewohnen. Bemerkenswerterweise gibt es einige hundert Kakteenarten, deren natürliche Lebensräume überwiegend die feucht - warmen Tropenwälder Süd und Mittelamerikas sind. Hier besiedeln sie zusammen mit anderen Epiphyten - Orchideen, Bromelien und Farnen die Stämme und Äste der Uwaldbäume. Diese Aufsitzer oder Überpflanzen sind keine Schmarotzer, wie irrtümlich häufig angenommen wird, sondern sie haften mit ihren Wurzeln lediglich auf der groben Baumrinde, die sie mit einem dichten Netz überziehen, um möglichst viel Niederschlagswasser und Nährstoffe aus Humusansammlungen - verrottendes Laub und Tierexkremente - aufnehmen zu können. Die Baumkronen sind zudem luftige und verhältnismäßig gut belichtete Wuchsorte.

Manche Pflanzen, wie die Kletterkakteen der Gattungen Selenicereus und Hylocereus wurzeln auch im Boden, klettern dann aber mit Hilfe zahlreicher Luftwurzeln bis in die Wipfel höchster Urwaldbäume. Sie entwickeln ein unbändiges Wachstum, weil die Luftwurzeln nicht nur dem Halt der Pflanzen, sondern auch der Wasser- und Nahrungsaufnahme dienen.

Diese starkzehrenden Arten entwickeln demzufolge auch die größten Blüten unter den Kakteengewächsen. Die Blütendurchmesser können 20-25 cm bei den Selenicereen - zu ihnen zählen die berühmte Königin sowie die Prinzessin der Nacht - und bis zu 30 cm bei Hylocereus undatus erreichen. Jede Einzelblüte öffnet sich jeweils nur für eine einzige Nacht: es werden aber jährlich Blüten in großer Zahl hervorgebracht, so daß sich die Blütezeit über mehrere Wochen erstrecken kann.

Außer auf Bäumen wachsen Epiphyten häufig auch in Humusablagerungen auf Felskuppen. Die Bedingungen sind hier ähnlich: Das Substrat, in dem die Pflanzen leben, hat einen konstant niedrigen pH-Wert und ist gut durchlüftet. Infolge der häufigen Niederschläge erhalten die Pflanzen gleichmäßige Feuchtigkeit doch kann niemals schädliche Staunässe entstehen. Das überschüssige Wasser läuft sofort wieder ab.

Dankbare Liebhaberpflanzen

Unter den epiphytischen Kakteen gibt es interessante und dankbare Liebhaberpflanzen. Zu den bekanntesten zählen die aus Brasilien stammenden Weihnachtskakteen (Schlumbergera) sowie die Osterkakteen (Rhipsalidopsis) aus denen zahlreiche Hybriden hervorgegangen sind. Unermüdlicher Züchterfleiß hat ein beachtliches Sortiment großblumiger und farbenprächtiger Epiphyllum beziehungsweise Nopalxochia - Hybriden hervorgebracht.

Empfehlenswerte Pflanzen für Liebhaber sind außerdem Heliocereus, verschiedene Arten der Blattkakteen Chiapasia und Disocactus, sowie die als Binsen -, Ruten oder Korallenkakteen bezeichneten Rhipsalis, Lepismium, Hatoria.

Ansprüche und Pflege der Epiphyten

Herkunft und Lebensweise der epiphytischen Kakteen erfordern besondere Pflegemaßnahmen, die in manchen Punkten von den für die hochsukkulenten Arten geltenden Regeln abweichen.

Als Bewohner feuchter Tropen lieben die Epiphyten Wärme und gleichmäßige Feuchtigkeit. Ausgeprägte, längere Trockenperioden kennen sie naturgemäß nicht, und so sind sie während der Wachstumsperiode überaus empfindlich gegen das Austrocknen des Wurzelbereiches.

Die Temperaturen sollten, mit Ausnahme der Epiphyllum - Hybriden auch in der Ruhezeit nicht unter 12 °C absinken. Epiphyten lieben hohe Luftfeuchtigkeit, die man ihnen durch häufiges feines Übersprühen mit kalkfreiem, temperiertem Wasser vermittelt. Stickige Luft ist trotzdem zu vermeiden, denn ihre natürlichen Wuchsorte in den Kronen der Uwaldbäume sind ebenfalls luftig. Ständig in gespannter Luft gehaltene Pflanzen werden krankheitsanfällig; Pilzerkrankungen sind dabei eine ernstzunehmende Gefahr.

Epiphytische Kakteen wünschen leichten Schutz vor greller Sonneneinstrahlung.

Während der warmen Jahreszeit ist ein halbschattiger Platz im Freien vorteilhaft Das Kukursubstrat soll porös, humos und sauer sein. Der günstigste pH-Wert liegt bei 5 ,0 - 6,0. Der Neutralbereich bei pH 7,0 bedeutet bei vielen Arten schon den oberen Todespunkt Laub- und Nadelerde sowie Torf und Sumpfmoos Sphagnum) sind wichtige Grundsubstanzen. Empfehlenswert ist Torfkultursubstrat, dem wir sauren Quarzsand, Lavalit oder Perlite zur besseren Durchlüftung beimischen. Epiphyllum- Hybriden erhalten etwas schwerere Erde mit einem Zusatz von porösem Lehm, Sand oder Rasenerde.

Für regelmäßige, schwache Volldüngergaben sind die Epiphyten dankbar. Der Stickstoffanteil ist höher zu veranschlagen als bei den hochsukkulenten Kakteenarten. Sehr vorteilhaft ist Düngung auf organischer Basis durch Hornspäne (die man gleich ins Pflanzsubstrat mischen kann), Rinderjauche, Knochenmehl Guano und andere organische Düngemittel.

Hydrokultur ist ein für epiphytische Kakteen empfehlenswertes Kulturverfahren. Die Wasser- und Nährstoffversorgung kann dadurch auf einfache Weise optimal geregelt werden.

Vermehrung und Anzucht

Die Vermehrung sämtlicher epiphytischer Kakteen erfolgt am einfachsten durch Stecklinge, aber auch Sämlingsaufzucht ist problemlos.

Als Stecklinge dienen Triebspitzen oder auch Teilstücke derselben. Die wertvollen Zuchtsorten der Blattkakteen lassen sich reichlich vermehren, indem ausgewachsene Sprosse in 4-6 cm lange Stücke zerschnitten und zur Bewurzelung gebracht werden. Nach dem Schneiden bepudert man die Schnittflächen mit Holzkohlestaub. Die Behandlung mit einem Bewurzelungshormon ist vorteilhaft.

Nach mehreren Tagen des Antrocknens werden die Stecklinge auf das Bewurzelungssubstrat gebracht. Bei "gespannter" Luft läßt die Wurzelbildung nicht lange ad sich warten.

Epiphyllum wurzelt auch in klarem Wasser, wobei die Stecklinge nur 1-2 cm tief im Wasser stehen dürfen.

Die Vermehrung durch Pfropfung ist bei Weihnachts- und Osterkakteen möglich.

 

 

Die Unterbringung der Epiphyten

Für die Kultur der Epiphyten sind die sogenannten Orchideenkörbe bestens geeignet. Es gibt sie in verschiedenen Größen in Holz oder Kunststoff. Bastler unter den Pflanzenfreunden können sich die Ampeln selbst herstellen.

Um das Herausrieseln des Pflanzensubstrates zwischen den Latten zu vermeiden, stopft man die Lücken mit grobem Faserstoff oder Sumpfmoos aus oder legt Kunststoffvlies in die Körbe.

Kletterpflanzen werden an Spalierwänden oder Epiphytenstämmen hochgezogen. Am besten gedeihen sie frei ausgepflanzt im Gewächshaus oder Wintergarten. Gute Ernährung lohnen sie durch reichliches Blühen.

Der Epiphytenstamm

Wer genügend Platz hat, sollte einen Epiphytenstamm anlegen, an dem die kletternden Arten hinaufwachsen können und der zudem mit allerlei anderen Epiphyten - auch Bromelien (Tillandsien) und Orchideen - bepflanzt werden kann. Am besten geeignet sind Kronen und Äste von Robinien. Sie zeichnen sich durch hohe Haltbarkeit aus, die Verzweigung ist sehr bizarr und die kräftige, rissige Borke dekorativ und pflanzenfreundlich. Die Wurzeln der Aufsitzer finden guten Halt, und die Feuchtigkeit wird in gewisser Weise gehalten.

Mit der Borke von Korkeiche läßt sich ebenfalls einiges anfangen. Zum Aufbinden der Pflanzen auf die Äste dienen dünner Kupferdraht oder in schmale Streifen geschnittene Perlonstrümpfe. Zu diesem Zweck umhüllt man die Wurzeln mit porösem Pflanzsubstrat Zum Beispiel Sphagnum, gehacktem Buchenlaub, Osmundawurzeln oder Fasertorf ) und befestigt das Ganze durch Umwickeln auf dem Ast beziehungsweise den Korkstücken.

Die Kultur epiphytischer Kakteen fällt etwas aus dem üblichen Rahmen der Sukkulentenpflege Sie werden auch nicht zu den sukkulenten Gewächsen gezählt

Es sind kulturwürdige, dankbare Geschöpfe, vor allem für den Pflanzenfreund mit größeren Räumlichkeiten. Bei richtiger Artenauswahl kann man sich das ganze Jahr hindurch an blühenden Pflanzen erfreuen.

 
 

©1997-2007 Monique Pauwels - All rights reserved