|
|
|
Kakteenerde
Wenn man in verschiedenen Kakteenbüchern liest oder Kakteenzeitschriften durchblättert, stößt man auf eine große Zahl unterschiedlicher Mischungsrezepte für Kakteenerden. Daß Kakteenfreunde verschiedene Kakteenerden empfehlen, läßt vermuten, daß die Zusammensetzung der Kakteenerde für das Gedeihen der Kakteen nicht allein ausschlaggebend sein kann. Gegen die Einseitigkeit und manchmal sogar Verbissenheit, mit der gewisse Erdsubstrate gelegentlich empfohlen oder verteidigt werden, haben Kakteenliebhaber schon mehrfach Stellung genommen. Ganz offensichtlich ist aber ein gewisser Spielraum in der Zusammensetzung der Erde gegeben. Sie muß nur hinreichend durchlässig sein und leicht sauer reagieren.
Bestandteile von Kakteenerden
Wenn man nur ein oder zwei Kakteen umsetzt, kann man die in kleinen Beuteln abgepackt erhältliche verwendungsfertig gemischte Kakteenerde benutzen. Sie ist meist verhältnismäßig humos und entspricht den Bedürfnissen etwa von faserwurzeligen grünen Mammillarien, Notocacteen oder Rebutien. Wenn man mehr Kakteen besitzt und die Kakteenerde individueller abstimmen will, wird man sich die Erde selbst zusammenmischen. Vor allem in älteren Kakteenbüchern werden als Bestandteile einer guten Kakteenerde alte, dunkle Humuserde, ferner krümeliger, nicht mehr klebriger Lehm, grober Sand und feinfaseriger Torfmull genannt.
Gute Humuserden sind drei bis fünf Jahre abgelagerte, mehrfach umgestochene Mistbeeterden oder Lauberden aus verrottetem Herbstlaub. Diese Erden sind ganz schwarz, fein und krümelig. Dagegen sind junge Komposterde oder Mistbeeterde, die noch viele unverweste organische Bestandteile enthalten, ungeeignet. Sie wären eine stete Quelle für Wurzelerkrankungen und Fäulnis.
Lehm gibt es in sehr unterschiedlicher Zusammensetzung. Ein für die Kakteenkultur geeigneter Lehm sollte wenig Ton enthalten. Er darf sich nicht zwischen den Händen zu dünnen Würstchen formen lassen. Für Pflanzen geeigneter Lehm darf nach dem Gießen nicht verbacken.
Torfmull kann ein wertvoller Bestandteil der Kakteenerde sein. Er erhöht die Fähigkeit des Substrats, Nährstoffe zu speichern, und er vermag zu rasche und zu extreme Veränderungen im Substrat abzupuffern. Die Huminsäuren des Torfmulls bewirken eine leicht saure Reaktion der Erde, wie es die Kakteen wünschen. Ungenügend verrotteter oder feucht und unter Luftabschluß gelagerter Torfmull kann aber ein Nährboden für Schadpilze sein.
Vielen Kakteenfreunden wird das Suchen, Zusammenmischen und Lagern von Humuserde, Lehm und Torfmull zu beschwerlich oder zu unsicher und in der Zusammensetzung zu wechselnd sein. Sie ersetzen mit gutem Erfolg diese drei Bestandteile durch die allgemein käufliche Einheitserde.
Diese Einheitserde wird von guten Herstellern in gleichbleibender Qualität und ausgewogener Zusammensetzung angeboten und ist, vor allem in größeren Säcken, auch preiswert. Wer sicher gehen will, daß keine pilzlichen oder tierischen Schädlinge in der Erde enthalten sind, kann seine Erde dämpfen. Bei kleinen Erdmengen kann man die Erde, in ein Säckchen gefüllt, in den Haushaltssterilisiertopf legen und etwa eine halbe Stunde dem heißen Dampf aussetzen. Die Erde kann auch durch entsprechende chemische Präparate entseucht werden, doch sind dann unbedingt die Gebrauchsanweisungen dieser Präparate und die Wartefristen bis zur Verwendung dieser Erde zu beachten. Diese Präparate zur chemischen Entseuchung der Erde sind im allgemeinen nur in größeren Gebinden zu erhalten, die auf den Bedarf des Erwerbsgärtners abgestellt sind. Die käufliche Erde ist dagegen bereits frei von schädlichen Keimen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Kakteenerde ist Sand. Dieser sollte eher grobkörnig sein und keinesfalls staubfeine Anteile enthalten. Besonders geeignet ist Quarzsand. Grubensand empfehlen wir zu waschen, da er oft feine Bestandteile enthält, die ihn beim Trockenwerden zementartig zusammenbacken lassen. Kalkhaltiger, alkalisch reagierender Sand ist unbrauchbar.
Ein geeignetes Substrat für viele Kakteen - nicht für Epiphyten - ist stark verwittertes Urgestein, zum Beispiel Granit- oder Gneisgrus. Der Verwitterungszustand ist richtig, wenn man das Gestein mit der Hand zerdrücken kann. In einer Körnung, die grobem Sand oder feinem Kies entspricht, kann man dieses Urgestein ohne Zusatz verwenden. Besser allerdings ist es, etwas Humus in Form von feinkrümeligem Torfmull zuzusetzen, um die Feuchtigkeit besser im Boden zu halten. Je nach Herkunft kann jedoch Urgesteinsgrus so stark verwittert sein, daß er in der Kakteenkultur in zwei bis drei Jahren in feinen Staub zerfällt. Dieser Staub verdichtet sich in den unteren Teilen des Kakteentopfes und kann hier die Wurzeln zum Absterben bringen. Urgesteinsgrus mit hohem Anteil des beständigen Quarzes ist auf jeden Fall vorzuziehen.
Viele Kakteenfreunde setzen ihrem Substrat auch Basaltsplitt zu, vor allem für Pflanzen, die eine sehr durchlässige Erde wünschen. Dieser Splitt wird im Straßenbau und zur Winterstreuung der Straßen verwendet und ist daher allgemein erhältlich. Man sollte die etwas feineren, reiskorn- bis erbsengroßen Körnungen verwenden und selbstverständlich sicherstellen, daß dieser Splitt völlig frei ist von Streusalz und daß es sich nicht um Kalkssplitt handelt. Basaltsplitt darf mit ein paar Tropfen einer verdünnten, etwa 5 %igen Salzsäure keine Gasbläschen entwickeln. Nachteilig ist das hohe Gewicht des Basaltsplitts. Zu beachten ist, daß Splitt weder Wasser noch Nährstoffe speichert.
In den letzten Jahren ist Lavagrus oder Lavalit als Bestandteil der Kakteenerde ins Gespräch gekommen. Lavagrus ist in verschiedenen Körnungen im Baustoffhandel, in kleineren Mengen auch im Zoohandel, erhältlich. Lavagrus ist ein poröses vulkanisches Material, verhältnismäßig schwer und dunkel gefärbt. Er vermag eine beachtliche Wassermenge aufzusaugen und zu speichern. In der ersten Begeisterung wurde reiner Lavagrus als ideales Substrat für Kakteen empfohlen. Inzwischen wird er nüchterner betrachtet. Reiner Lavagrus ist wohl nur für Kakteen extremer Standorte zu empfehlen. Zudem muß man besonders sorgfältig bewässern; Lavagrus kann an der Oberfläche des Topfes bereits trocken, in den unteren Teilen des Topfes aber noch naß sein: Maßvoll zur Kakteenerde beigemischt, ist Lavagrus aber uneingeschränkt zu empfehlen. Besonders brauchbar sind die Körnungen zwischen 3 und 7 mm; der zum Zusammenbacken neigende Staub sollte ausgewaschen oder -gesiebt werden. Größere Lavabrocken, wie sie im Grus manchmal enthalten sind, können, geschickt zwischen den Kakteen angeordnet, in der Sammlung sehr dekorativ wirken.
Ähnlich ist Ziegelsplitt oder Ziegelgrus. Vor der Verwendung muß man aber prüfen, ob er nicht alkalisch reagiert. Auch hier sollte der feine Ziegelstaub ausgewaschen oder -gesiebt werden.
Viele Kakteenfreunde verwenden Bimskies als Beimischung zu ihrer Erde. Bimskies ist ein vulkanisches Material, das zum Beispiel in der Eifel vorkommt und vielfach im Baugewerbe verwendet wird. Bimskies reagiert meist schwach sauer und ist verhältnismäßig leicht und hochporös und vermag daher Wasser zu speichern. Auch den Bimskies sollte man auswaschen oder -sieben und nur die grobsandigen bis feinkiesigen Bestandteile verwenden. Die Struktur, das heißt der Porenraum und die Krümeligkeit, lassen sich günstig beeinflussen durch einige Stoffe, die erst in den letzten Jahren auf den Markt kamen und im Gartenbau immer beliebter werden.
Styromull ist ein weißer, leichter, pflanzenverträglicher und verwitterungsfester Schaumstoff. Die Körner bestehen aus einer Vielzahl kleiner, geschlossener, mit Luft gefüllter Zellen. Styromull nimmt weder Wasser noch Nährstoffe auf. Es verdünnt deshalb sozusagen die Erde. Durch die eingeschlossene Luft wird die Erde in einem gewissen Sinne wärmer. Styromull wird daher besonders bei der Bepflanzung von großen Kübeln oder Schalen oder von geschlossenen Kakteenbeeten verwendet.
Hygromull ist dagegen offenzellig und vermag daher wie Torfmull Wasser zu speichern. Hygromull wird in der Erde langsam abgebaut. Dabei wird Stickstoff freigesetzt, den die Pflanze verwerten kann. Hygromull kann man daher weniger für übliche Kakteen empfehlen, die keine besondere Stickstoffdüngung brauchen, wohl dagegen für epiphytische Kakteen.
Vermikulit, manchmal als afrikanischer Goldkies oder Goldschiefer bezeichnet, bewahrt bei längerer Durchfeuchtung seine Struktur nicht. Auf die Dauer zerfällt er zu einem Brei, in dem die Kakteenwurzeln ersticken können. Vermiculit sollte daher allenfalls in kleinen Mengen Substraten zugeschlagen werden, die jährlich ausgewechselt werden.
Perlite hat sich als besonders empfehlenswert erwiesen. Es ist ein bei hohe Temperaturen puffmaisähnliches aufgeblasenes, natürliches Mineral (ein Aluminiumsilikat). Von dem weißen, sterilen, unverrottbaren Material sollten die grobsandigen, hirse- bis reiskorngroßen Körnungen verwendet werden. Mit seinen zahlreichen, äußerst feinen, offenen Poren nimmt es etwa das Dreifache seines Gewichts an Wasser auf. Hierdurch speichert es sehr viel Wasser und Nährstoffe. Überschüssiges Wasser dagegen fließt ab. Dadurch wird stehende Nässe vermieden die den Kakteen schadet. Außerdem wird die Erde durch Perlite lockerer und besser durchlüftet. Manche Kakteenfreunde setzen ihrer Kakteenerde bis zu einem Drittel Perlite zu. Andere Liebhaber hingegen bemängeln, daß das leichte Perlite etwas dazu neigt, in der Kakteenerde langsam nach oben zu wandern. Insgesamt gesehen ist ein Zuschlag von 10 bis 15 % Perlite zur Kakteenerde sicher sehr zu empfehlen.
Einige Liebhaber schließlich mischen auch Blähton - entweder in Form kleiner Kügelchen oder als Blähtonbruch - ihrer Kakteenerde bei. Blähton wird vor allem für die Hydrokultur von Pflanzen verwendet.
Die Bodenreaktion des Substrats
Wichtig für das Gedeihen der Kakteen ist die Bodenreaktion, das heißt, ob unsere Erde alkalisch, neutral oder sauer reagiert. Wohl alle Kakteen bevorzugen saure Reaktion, manche gedeihen auch bei neutraler Reaktion noch, fast alle stellen aber bei alkalischer Reaktion ihr Wachstum ein und gehen langsam zugrunde. De Begriff der Bodenreaktion wollen wir nun etwas näher betrachten. Die Bodenreaktion wird bestimmt durch die Anzahl der im Boden befindlicher Wasserstoffionen. Ionen sind positiv oder negativ elektrisch geladene Atome oder Moleküle. Sind nun zum Beispiel in 1l reinen Wassers 0,0000001 g Wasserstoffionen vorhanden, steht also die Zahl 1 an 7. Stelle hinter dem Komma, dann entspricht dies dem pH-Wert 7, sind aber 0,001 g Wasserstoffionen enthalten, dann haben wir den pH-Wert 3.Man drückt also die Wasserstoffionenkonzentration in pH-Werten aus. Dieser Ausdruck kommt vom lateinischen Wort pondus = Gewicht, und vom griechischen Wort hydrogenium (abgekürzt H) = Wasserstoff. Erde vom pH-Wert um 7 ist neutral, von 1 bis 6,4 deutlich sauer und ab 7,3 merklich alkalisch. Kakteen gedeihen nun, von Ausnahmen abgesehen, am besten bei einem Reaktionswert von pH 4,5 bis 6,5. Es ist also sehr wichtig, den pH-Wert unserer Erde festzustellen, und zwar am besten schon der einzelnen Erdbestandteile; das ist zu erreichen mit einem im Handel befindlichen kleinen Gerät, dem »pH-Meter«. Man gießt dabei eine Indikator-Flüssigkeit auf eine kleine Erdprobe. Die Farbe, die die Flüssigkeit nach kurzer Zeit angenommen hat, vergleicht man sodann mit der beigegebenen Farbskala und kann unmittelbar den pH-Wert ablesen. Rote Farbe bedeutet dabei sauer, grünliche Farbe neutral und bläuliche Farbe alkalisch.
Es empfiehlt sich, die pH-Werte auch bei den Materialien zu untersuchen, die normalerweise neutral oder sogar sauer reagieren, denn man hat schon feststellen können, daß zum Beispiel mancher Bimskies leicht alkalisch war. Er ist deshalb durchaus noch nicht unbrauchbar, doch muß man ihn vor der Verwendung erst mehrmals mit angesäuertem Wasser (etwa pH 3) durchgießen.
Die Kakteen gehören zu den »kalkfeindlichen« Pflanzen. Jede Pflanze, auch diejenige, die zu ihrem Gedeihe sehr sauere Bodenreaktionen haben muß, braucht das im Kalk enthaltene Element Calcium zu ihrem Aufbau. Es darf ihr nur nicht in alkalischer Form gegeben werden oder in einer Form, die nachträglich alkalisch wirkt. Man gebe also keinen Brandkalk, Löschkalk oder kohlensauren Kalk, sondern füge pro Eimer etwa 1 gehäuften Eßlöffel Düngegips oder Rohgips von einem Gipswerk zu. Gips ist eine neutrale, schwer wasserlösliche Calcium-Verbindung.
Bewährte Erdmischungen
Eine für die meisten Kakteen verwendbare Erde erhält man aus der Mischung von
einem Drittel Humuserde, Lehm und Torfmull - oder an Stelle dieser drei Bestandteile Einheitserde;
einem Drittel grobem Sand, gegebenenfalls unter Zusatz von Splitt;
einem Drittel Bimskies, Perlite, Lava- und vielleicht noch Ziegel- und Urgesteinsgrus .
Humuserde, Torfmull, Lehm, Einheitserde, Perlite, Bimskies, Lava-, Ziegel- und in einem gewissen Maße auch Urgesteinsgrus vermögen Wasser zu speichern, sie erhöhen demnach die wasserhaltende Kraft des Erdsubstrats. Sand und Splitt speichern kein Wasser. Feuchtigkeitsliebendere Pflanzen brauchen etwas weniger Sand und Splitt, feuchtigkeitsempfindliche Pflanzen dagegen etwas mehr Sand und Splitt in der Erde. Kakteen, die schon vom Heimatstandort her einen gewissen Humusanteil im Boden schätzen, können einen etwas höheren Anteil an Einheitserde, beziehungsweise Humuserde und Torfmull, erhalten. Kakteen aus mineralischen Verwitterungsböden dagegen sollten keine Humuserde und auch kaum Einheitserde erhalten. Für diese wird man aus gut verwittertem Lehm sowie viel Sand, Splitt, Bimskies, Lava-, Ziegel- und Urgesteinsgrus sowie Perlite eine weitgehend mineralische Erde zusammenstellen. Epiphyten, die am Heimatstandort im Humus der Astgabeln und der rissigen Rinde ihrer Wirtspflanzen wurzeln, empfehlen wir deshalb eine besonders humusreiche Erde, wenn möglich, mit reichlich Torfmoos (Sphagnum), das in Mooren und Sümpfen zu finden ist. Im Kapitel über die Vermehrung durch Aussaat kommen wir noch eingehender auf die Verwendung von Sphagnum zu sprechen.
Allgemein gilt: die Zusammensetzung der Kakteenerde ist nicht ausschlaggebend. Die erwähnten Anteile sind offenbar in erheblichem Maße gegeneinander austauschbar. Entscheidend ist dagegen die Struktur des Substrats. Es muß gut durchlässig sein, darf nicht zu feinkörnig sein und nicht zum Verdichten oder gar zum Verbacken neigen. Außerdem sollte es eine leicht sauere Reaktion aufweisen.

|