Pflanzengefäße

Für ein gutes Gedeihen der Kakteen sind die Pflanzgefäße von großer Bedeutung. Von den Gärtnern werden die Kakteen meist in kleinen Töpfchen in den Handel gebracht, die für Versand und Verkauf platzsparend sind und trotzdem der Pflanze Schutz bieten. Beim Gärtner stehen diese kleinen Kakteentöpfe eingebettet in einem großen Gewächshausbeet und unter optimal einreguliertem Gewächshausklima. Unter diesen Bedingungen wachsen die Kakteen auch in den kleinen Töpfchen heran. Zur weiteren Kultur beim Liebhaber sind diese Töpfchen jedoch nicht geeignet, da sie den Kakteen keinen auf Dauer ausreichenden und ausgeglichenen Lebensraum bieten. Der kleine Topf erhitzt sich in der Sonne, in die man Kakteen nun einmal stellt, sehr rasch, und nach Beendigung der Sonneneinstrahlung kühlt er ebenso rasch wieder ab. Vor allem trocknet die Erde sehr schnell aus, wodurch die Pflanze einem ständigen Wechsel zwischen naß und trocken ausgesetzt ist. Der Liebhaber wird daher seine Neuerwerbungen aus den kleinen Handelstöpfen bald in andere Pflanzgefäße umsetzen. Hierfür stehen mehrere Möglichkeiten zur Wahl.

 

 

Utensilien für den Kakteenfreund

Handzerstäuber zum Nebeln und zur Schädlingsbekämpfung
Stecketiketten
Bodensteckthermometer
Spezialpinzetten zum Pikieren kleiner Sämlinge
Topfzangen
Reinigungspinsel
Handspaten

 

Tontöpfe

Das Standardgefäß ist und bleibt der Einzeltopf. Sein augenfälliger, unbestreitbarer Vorteil ist, daß mit Hilfe einer Topfzange oder einer großen Pinzette jede einzelne Pflanze ohne weiteres aus der Sammlung genommen werden kann. Man kann sie dann leicht fotografieren, auf ihren Gesundheitszustand untersuchen, umtopfen oder auch entfernen, falls sie krank geworden oder eingegangen sein sollte. Auch lassen sich die in Töpfen stehenden Pflanzen jederzeit umgruppieren. Dagegen kann etwa in einer Schale die eine oder andere Pflanze besonders stark wachsen und andere kleiner bleibende Pflanzen dabei fast erdrücken oder ihnen das Licht wegnehmen. Es ist nun aber durchaus nicht gleichgültig, aus welchem Material Töpfe und Schalen bestehen. Die heute noch teilweise vertretene Ansicht, daß die Töpfe und Schalen porös, also luftdurchlässig sein müßten, ist absolut falsch. Die üblichen Tongefäße sind sogar ausgesprochen schädlich, denn sie lassen das Gießwasser schnell verdunsten. Die Erde wird staubtrocken und die feinen, an der Topfwand anliegenden Saugwurzeln werden ausgedörrt und verbrannt, weil die Topfwand in der Sonne sehr heiß wird. Solange die Topferde noch feucht ist, entsteht umgekehrt eine nicht unerhebliche Verdunstungskälte. Außerdem setzen sich in der Tonwand alle vom verdunsteten Wasser mitgeführten Salze in immer dickeren weißen Belägen ab. In Gegenden mit kalkhaltigem Gießwasser kommt es vor aller zu einer Anreicherung von Kalk in der Wand des Tontopfes, und letztlich wird der Boden alkalisch (basisch).Da; die meisten Kakteen aber nicht alkalisch, sondern leicht sauer reagierende Böden (pH 5 bis 6) bevorzugen, kann das Wachstum aufhören, die Wurzeln sterben ab, und schließlich geht die Pflanze ein. Dagegen können Tontöpfe für die Kakteenkultur unter der Voraussetzung empfohlen werden, daß sie zu mehreren in ein Gewächshausbeet, in eine flache Schale oder einen Blumenkasten in ein Torfmull-Sand-Gemisch eingefüttert werden. Hierbei kann ein Ausgleich der Feuchtigkeit zwischen Einfütterungsmaterial und Kakteenerde durch die poröse Tonwand des .Topfes stattfinden. Durch leichtes Gießen lediglich des Einfütterungsmaterials kann man dann für die Arten, die in der Ruhezeit nicht völlig trocken stehen wollen, eine milde Feuchtigkeit im Wurzelballen aufrecht erhalten. Als Einfütterungsmaterial wird ein Torfmull-Sand-Gemisch empfohlen; reiner Torfmull nimmt nach völligem Austrocknen, wie dies etwa in der Ruhezeit geschehen kann, nur sehr schwer wieder Feuchtigkeit an. Weiterhin können Tontöpfe auch bei der Kultur von Sukkulenten im nördlichen, sonnenarmen Klima verwendet werden; hier trocknen die Töpfe bei geringer Sonneneinstrahlung und sehr hoher Luftfeuchtigkeit nicht so leicht aus, und zudem läßt das dort eher kalkarme Wasser meist keine Verkalkung aufkommen.

Kunststofftöpfe

Bereits vor Jahren stellte man in England und in Südfrankreich fest, daß Kakteen, die in Blechschalen und in Blechdosen kultiviert wurden, weitaus gesünder aussahen als Pflanzen in Tongefäßen. Zunächst dachte man, daß vielleicht das Metall als Spurenelement die Ursache sei, d. h. als Element, das in kleinsten Mengen auf das Wachstum wirkt. Die Erfahrung zeigte aber, daß lediglich die undurchlässige Topfwand dies bewirkte. Heute gibt es genügend geeignete Gefäße aus undurchlässigem Material, insbesondere aus Kunststoffen. Die Gefäße müssen selbstverständlich durch Bodenlöcher oder Bodenschlitze überschüssiges Wasser leicht abziehen lassen. Ferner muß man bei Kunststoffschalen darauf achten, daß sie starkwandig genug sind, damit sie sich nicht durch das Gewicht der Erde und der Pflanzen zu sehr durchbiegen; feine Wurzeln könnten dabei zerrissen werden. Die Kunststofftöpfe, die es inzwischen in vielen Formen und Farben gibt, haben sich ganz allgemein für die Kakteenkultur sehr bewährt. Sie sind leicht, beim Umsetzen löst sich die Pflanze mühelos aus dem Topf, die Töpfe lassen sich leicht sauber reinigen und dann wieder verwenden. Zudem sind sie preiswert. Auch Kunststofftöpfe sollten natürlich eine gewisse Mindestgröße haben, um den Kakteen hinreichend gleichmäßige Bodentemperatur und Bodenfeuchtigkeit zu gewährleisten. Interessant sind die quadratischen Kunststofftöpfe, meist als Vierecktöpfe bezeichnet. Sie sind ebenfalls in mehreren Größen im Handel erhältlich. Diese Töpfe lassen sich platzsparend, lückenlos, aneinanderstellen. Hierdurch wird der Eindruck eines geschlossenen Beetes, einer »Kakteenlandschaft«, erweckt. Die Vorteile der Kultur in Einzeltöpfen bleiben trotzdem erhalten. Die im Handel erhältlichen Vierecktöpfe sind manchen Kakteenfreunden, vor allem für die Kakteen mit Rübenwurzeln, zu niedrig. Andere wiederum bevorzugen flachere Töpfe, oder sie wünschen, daß alle Töpfe, gleich welcher Breite, gleich hoch sind, um den erwähnten Eindruck einer geschlossenen Kakteenfläche zu verstärken. Besonders hohe oder besonders flache Töpfe müssen aber auf die in der Sammlung gewöhnlich auftretenden Temperaturen, auf das Wasserspeicherungsvermögen der verwendeten Erde und auf die Art der Bewässerung abgestimmt sein. Nun lassen sich die Kunststofftöpfe mit einer feingezähnten Säge, ohne Druck geführt, oder mit einem erhitzten Messer mühelos zerschneiden und mit entsprechenden Klebstoffen leicht und haltbar verkleben. So kann man das Unterteil eines größeren mit dem Oberteil eines kleineren Topfes verkleben und dadurch einen besonders flachen Topf erhalten. Umgekehrt gewinnt man aus dem Unterteil eines kleineren und dem Oberteil eines größeren Topfes ein besonders tiefes Pflanzgefäß. Als Klebstoff hat sich beim Verfasser Uhu-Plast bewährt; nach dem Kleben sollten die Kunststofftöpfe bis zum vollständigen Verdunsten der Lösungsmittel einige Tage auslüften. So haben manche Kakteenfreunde alle Töpfe - ausgenommen die Pflanzgefäße für Säulenkakteen - auf eine einheitliche Höhe gebracht. Dadurch ist nun das Verhältnis Oberfläche zu Inhalt bei allen Töpfen und damit für alle Pflanzen gleich. Andernfalls bestünde die Gefahr, daß die kleinen Töpfe bereits wieder trocken stehen, wogegen in den größeren und damit auch tieferen Töpfen die unteren Erdschichten noch feucht sind. Dann aber könnten bei der in einer größeren Sammlung erforderlichen einheitlichen Bewässerung die Pflanzen in kleinen Töpfen eher zu wenig und die in größeren Töpfen eher zu viel Wasser erhalten. Allerdings sind in den flachen Töpfen die langen Wurzeln der Rübenwurzler oft mitleiderregend zusammengekrümmt; trotzdem gedeihen auch diese Pflanzen recht gut. Neuerdings gibt es im Fachhandel auch besonders tiefe Kunststoff-Vierecktöpfe, die sehr gut für Rübenwurzler geeignet sind. Derartige Töpfe sind bisher allerdings erst in wenigen Größen erhältlich. Manchmal werden in einer Kakteensammlung Kakteen sowohl in Kunststofftöpfen als auch in Tontöpfen nebeneinander kultiviert. Dann benötigen die Pflanzen in Kunststofftöpfen nur etwa ein Drittel der Wassermenge vergleichbarer Pflanzen in Tontöpfen. Hier wirkt sich die erwähnte hohe Wasserverdunstung durch die poröse Wand der Tontöpfe aus.

Eternit- und Tongefäße für größere Pflanzen

Sehr geeignet, auch für größere Kakteen, sind Pflanzgefäße aus Eternit. Es gibt sie in verschiedenen Formen und Größen zu kaufen. Man kann sie auch aus entsprechend vorgeschnittenen Eternitstreifen mit geeignetem Kleber (Zweikomponentenkleber wie zum Beispiel Uhu-Plus mit Eternitstaub angedickt) selbst nach eigenen Größenvorstellungen zusammenkleben. Beim Schneiden und Abschleifen von Eternit ist jedoch Vorsicht geboten; Eternitstaub ist in hohem Maße gesundheitsschädlich. Da neue Eternitgefäße durch ihren Zementgehalt stark alkalisch also für die Pflanzen nachteilig reagieren, muß man sie erst mehrere Tage in verdünntem Essig wässern. Man kann auch irgendeine andere verdünnte Säure verwenden, muß aber in jedem Fall mit Hilfe von Indikatorpapier so verdünnen, daß der pH-Wert etwa 3 beträgt und daß er während des Wässerns nicht wesentlich steigt. Das verhindert man durch Nachfüllen von Säure. Nach dieser Behandlung sollten die Pflanzgefäße gründlich gewässert werden. Mit viel weniger Mühe kann die unerwünschte alkalische Reaktion de Eternits auch dadurch umgangen werden, daß man die Eternitgefäße mit einem Kunststofflack innen und außen streicht. Der Lack muß für Eternit geeignet und pflanzenverträglich sein. - Zwar sind Eternitgefäße teurer als Kunststofftöpfe. Kunststoff wird aber im Lauf der Jahre spröd, vor allem unter den bei der Kakteenpflege auftretenden hohen Temperaturen. In der Kälte bricht er dann leicht.

Dagegen ist Eternit nahezu unverwüstlich. Übliche Kunststofftöpfe sind nur bis zu einer gewissen Größe sinnvoll. Für größere Pflanzen empfehlen sich neben den zwar überall erhältlichen, aber entschieden teureren Kühlschrankschalen nun doch Tontöpfe. Deren Hauptnachteil, die Porosität, kann man dadurch beseitigen, daß man die Töpfe mit flüssigem, säurebeständigem Kunststoffmaterial bestreicht, das man heute in Farbengeschäften kaufen kann. Auch neue Tontöpfe und -schalen müssen unbedingt vor Gebrauch mehrere Tage gründlich gewässert werden, da sie ebenfalls meist stark alkalisch sind

Schalen

Kleinere Pflanzen oder gar Sämlinge sollte man nicht einzeln in kleine Töpfchen pflanzen. Sie gedeihen am besten zu mehreren in Schalen, in denen sich die Wurzeln ungehemmt entwickeln können. Dabei sollen die Körper einen Abstand voneinander haben, der ihrem doppelten Durchmesser entspricht. Die Erfahrung lehrt, daß die gegenseitige »Konkurrenz« der Wurzeln wachstumsanregend wirkt; der größere Erdraum gewährleistet ausgeglichenere Feuchtigkeits- und Wachstumsbedingungen. Vor allem zur Jungpflanzenanzucht zu empfehlen sind die sogenannten Multitöpfe; das sind Kunststoffschalen mit einer oberen Abschlußplatte, in die einzelne Töpfe eingestanzt sind. Sie haben den Vorteil, daß man sie leicht von unter gießen kann. Das Herausnehmen einzelner Pflanzen aus der Multitopf platte ist allerdings schwierig. Manche Liebhaber setzen auch ihre größeren Pflanzen zu mehreren zusammen in Schalen oder Kästen, die der eine oder andere dann noch durch dekorative Steine und ähnlich Material zu ansprechenden Miniatur Kakteenlandschaften gestaltet. Dabei sollten aber in Wachstum und Vegetationsrhythmus zueinander passende Kakteen zusammengepflanzt werden. Sonst können langsamwachsende, kleine Seltenheiten von wüchsigen Säulen oder Gruppen erdrückt werden, oder eine im Herbst bereits Trockenheit wünschende Art bekommt zuviel Wasser, weil der Nachbar erst die Blüte schiebt und noch Feuchtigkeit will.

Frei ins Beet auspflanzen

Besitzer ausgebauter großer Blumenfenster für Sukkulenten oder beheizte Gewächshäuser können ihre Kakteen auch frei in das Beet, im Kakteengewächshaus etwa in das Mittelbeet, auspflanzen. Das freie Auspflanzen ist vor allem für Säulenkakteen dringend anzuraten. Nur dann können sie ihr oft mehrere Meter weit reichendes Wurzelwerk frei entfalten und erstaunlich wachsen und auch zum Blühen kommen. In Ausnahmefällen erreicht man so bei großen Cereen Jahrestriebe bis zu fast einem Meter Länge. Aber auch viele Opuntien, Echinocereen und Mammillarien zeigen erst dann gutes Wachstum und ihre volle Schönheit.

 
 

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