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Licht und Temperatur
Licht und Wärme sind für die Pflanzen unentbehrlich. In der Photosynthese erzeugen die Pflanzen Kohlenhydrate mit Hilfe des Sonnenlichts und des Blattgrüns (Chlorophyll) aus dem Kohlendioxid der Luft und aus dem Wasser im Boden. Die Kohlenhydrate brauchen sie für ihr weiteres Wachstum und zur Energiegewinnung. Jedoch erst ab einer bestimmten Temperatur, die bei Kakteen bei 10 bis 15°C liegen dürfte. kommen die Lebensvorgänge in Gang.
Kakteen brauchen viel Licht
Die Kakteen stehen in ihrer Heimat ausgenommen die epiphytischen Kakteen - an sehr hellen Standorten und werden allenfalls leicht durch die benachbarten Pflanzen beschattet. Vor der hohen Sonneneinstrahlung schützen sich die Kakteen auf vielfältige Weise. Manche Kakteen, die aus schattenlosen Wüsten oder Steppen wie Nord-Chile zu uns kommen, sind nicht etwa frischgrün gefärbt, sondern sie sehen grau oder bereift aus. Andere Kakteen wiederum sind so dicht in Stacheln oder Haare eingehüllt, daß auch sie nicht grün, sondern weiß, gelb oder braun wirken. Eine helle Oberfläche oder dichte Stacheln oder Haare werfen das Licht zurück. Manche Kakteen sind braun oder schwarz. Dies dient vielleicht ebenfalls zum Schutz des lebensnotwendigen Chlorophylls. Bei anderen Kakteen wiederum ist die Oberfläche in eine Vielzahl von Graten, Wellen oder Lamellen gefaltet, die eine gegenseitige Schattierung ermöglichen. Die vielfältigen Schutzeinrichtungen gehören zum gesunden Erscheinungsbild der Kakteen. Auch bei uns benötigen die Kakteen daher in der Vegetationszeit von April bis Oktober unbedingt einen sehr hellen und zumindest zeitweise sonnigen Standort. Am dunklen Nordfenster oder gar weit ab vom Fenster können Kakteen auf Dauer nicht gedeihen; blaßgrüne Färbung und übertriebenes Längenwachstum, sogenanntes »Vergeilen«, zeigen bald an, daß die Belichtung ungenügend ist, die Pflanzen »entarten«. Dem Kakteenpfleger stehen oft einerseits einige besonders helle und daneben auch etwas dunklere Stellflächen zur Verfügung. Die eine oder andere Gattung kann auch bei leicht schattiger Aufstellung gehalten werden. Meist sind dies Pflanzen, die im äußeren Gesamtbild grün wirken und nicht durch eine dichte Bestachelung oder Behaarung geschützt sind. Jedoch können auch diese etwas Schatten vertragenden Kakteen keinesfalls dunkel gehalten werden. Ideal für diese Pflanzen ist Morgen und/oder Abendsonne und leichter Schutz vor praller Mittagsonne. In der Ruhezeit von November bis Februar dagegen können die meisten Kakteen dunkler stehen. Allerdings müssen geringere Bewässerung und tiefere Temperaturen die Pflanzen am unzeitgemäßen Austreiben hindern. Auch in der Ruhezeit sollten die Kakteen, wenn möglich, nicht völlig dunkel stehen; eine gewisse Belichtung hält einen Mindeststoffwechsel in der Pflanze aufrecht, vermindert die Gefahr von Pilzinfektionen und fördert den Blütenansatz der zeitigen Frühjahrsblüher.
Schattierung
Fast alle Kakteen möchten hell und sonnig kultiviert werden. Wenn aber die Kakteen im Frühjahr aus dunkle] Winterstand in den Sommerstand ausgeräumt werden, müssen sie sich zunächst langsam wieder an das volle Sonnenlicht anpassen. Auch ganzjährig im Gewächshaus gepflegte Kakteen sind nach den sonnenarmen Wintermonaten manchmal starke Sonneneinstrahlung nicht mehr gewöhnt. Nun können aber im März und April nach langer, trüber Witterung überraschend Tage mit strahlend hellem und warmem Sonnenschein auftreten. Diese plötzliche Licht- und Wärmemenge kann zu »Verbrennungen« an Kaktee führen, das heißt, ganze Bereiche de Oberfläche werden zerstört. Die Pflanze kann diese häßlichen Stellen nicht regenerieren. Diese können allenfalls - im Verlauf von einigen Jahren - wieder verwachsen. Daher sollte der Kakteenliebhaber den Witterungsverlauf im zeitigen Frühjahr besonders aufmerksam verfolge Die Pflanzen selbst schützen sich vor überraschend starker Belichtung durch eine leichte Rotfärbung. Sie geht darauf zurück, daß die Pflanze als Schutzpigment Rotfarbstoffe in Zellen einlagern. Den Anpassungsvorgang kann der Liebhaber durch leichte Schattierung an besonders hellen und warmen Frühjahrstagen unterstützen. Manche Kakteenfreunde bemalen dazu die Scheiben des Gewächshauses oder Frühbeetkastens mit Gewächshaus-Schattierfarbe, da hat dies den Nachteil, daß die Farbe an trüben Tagen das Licht noch weiter mindert. Empfehlenswerter sind deshalb aufbaubare Schattierungen aus Brettern oder rasch aufrollbare, nicht zu dichte Schattiergewebe. Solche Schattiereinrichtungen können bei Gewächshäusern oder Frühbeeten von vornherein vorgesehen werden. Im Notfall kann man an einem überraschend heißen Frühjahrstag die Pflanzen über die Mittagsstunden durch aufgelegte Bogen dünnen Seidenpapiers schützen. Alle Schattiermaßnahmen sollten aber unbedingt nur eine vorübergehende Anpassungshilfe sein. Keinesfalls dürfen durch zu lange ausgedehnte Schattierung die Pflanzen verweichlichen oder zu geilem Wachstum angeregt werden.
Die Zusammensetzung des Lichtes
Nicht nur die Intensität (Bestrahlungsstärke), sondern auch die Zusammensetzung des Lichtes ist vor Bedeutung für das Gedeihen der Kakteen. Während den Kakteen an den Heimatstandorten das volle Spektrum des Lichts zur Verfügung steht, ist dieses unter unseren Umwelt- und Kulturbedingungen häufig stark geschmälert. Durch die Staub und Dunstglocken über unseren Ballungs- und Verdichtungsräumen wird die Lichtintensität, vor allem im ultravioletten Bereich, bereits gemindert. Zusätzlich schluckt Glas ultraviolettes Licht fast völlig. Kakteen aus dem Hochgebirge, etwa aus dem Andenhochland, sind in ihre Heimat starkem Ultraviolett-Licht ausgesetzt. Diese Pflanzen sollten wir auch in der Kultur ab und an ungefiltertem Sonnenlicht aussetzen. An schönen Tagen, vor allem im Herbst, wird man daher den Deckel des Frühbeetkastens weit öffnen. In den rasch kürzer werdenden Tagen des Herbstes ist es besonders wichtig den Kakteen noch viel Licht zu verschaffen. Von der Belichtung im Herbst hängen in hohem Maße die Abhärtung und Gesundheit der Pflanzen, die Schönheit der Bestachelung und der Blütenansatz für das kommende Frühjahr ab. Daher sollte der Kakteenfreund im Herbst jede Schattierung vermeiden und die Scheiben des Frühbeetkastens und gegebenenfalls auch des Gewächshauses reinigen. Verschmutztes Glas kann mehr als ein Drittel des gebotenen Lichtes verschlucken.
Künstliche Belichtung
Manche Liebhaber versuchen, fehlende Lichtintensität insgesamt oder speziell des Ultraviolett-Lichts durch Zusatzbelichtung mit Leuchtstofflampen auszugleichen. Für die Zusatzbelichtung von Pflanzen werden manchmal Leuchtstofflampen empfohlen, bei denen die assimilationsfördernden Spektralbereiche überdurchschnittlich vertreten sind. Die künstliche oder ergänzende Belichtung von Kakteen sollte nicht ausschließlich aus den genannten Röhren bestehen, da deren Spektrum einseitig ist. Auch wird man gern das etwas eigentümliche und die Farben verfälschende rosa-bläuliche Licht dieser Röhren durch andere Leuchtstoffröhren ergänzen. Die auch von Aquarien- und Terrarienfreunden vielfach benutzten TrueLite-Röhren sollen nach Angaben der Hersteller ein dem Sonnenlicht entsprechendes Spektrum, unter Einschluß des Ultraviolett-Anteils, liefern. Der relativ hohe Preis werde durch lange Lebensdauer ausgeglichen. Die Verwendung von Leuchtstoffröhren vermag sicher etwa bei der Überwinterung von Kakteen im Keller das notwendige Mindestmaß an Licht zu liefern, das es den Kakteen erlaubt, gut über den Winter zu kommen. Der von Kakteen aus Trockengebieten in der Vegetationszeit benötigte volle Sonnenschein kann jedoch nicht durch Leuchtstoffröhren ersetzt werden. Die Pflanzen wachsen natürlich, gedrungen, und weisen die für den Heimatstandort typische silberweiße Behaarung auf.
Temperatur
Für die Kakteenpflege ist es wichtig, die Temperaturen einzuhalten, an die die Pflanzen angepaßt sind. Bei den äußerst verschiedenen Heimatstandorten sollte man nicht glauben, daß es möglich ist, in einer gemischten Sammlung Kakteen aus verschiedenen Regionen zusammen zu halten. Man hat jedoch durch langjährige Kulturerfahrungen feststellen können, daß die Kakteen sehr anpassungsfähig sind und daß viele verschiedene Kakteenarten unter einheitlichen Kulturbedingungen und bei einer mittleren Temperatur gepflegt werden können. Diese günstigsten Durchschnittstemperaturen haben sich für den Sommer mit 25 bis 35 °C an sonnigen Tagen und 15 bis 25 9C an Tagen mit bedecktem Himmel ergeben. Die Nachttemperatur sollte auf 10 bis 17 °C zurückgehen. Im Winter soll die Tagestemperatur 8 bis 15 °C erreichen und nachts auf etwa 5 °C absinken. Falls die Kakteen aber dunkel überwintert werden müssen - unter dunkel muß man auch verstehen, wenn sie in einem Zimmer weit vom Fenster stehen -, dann darf die Tagestemperatur 10 °C nicht übersteigen, damit sie nicht vorzeitig austreiben und vergeilen. Es dauert jahrelang, solchen vergeilten Pflanzen durch vernünftige Kultur später wieder ein ansehnliches Aussehen zu geben. Sämtliche angegebenen Temperaturen sind im Schatten zu messen. Die Temperaturen in der prallen Sonne liegen mindestens 10 Grad höher. Im Sommer erreichen wir die notwendigen Temperaturen durch mehr oder minder starkes Lüften bzw. Geschlossenhalten der Fenster der Kulturräume oder -kästen, im Winter durch Heizung. Innerhalb des genannten Spielraums wünschen tropische Tieflandkakteen, etwa aus den heißen Gebieten der Karibik, Brasiliens oder Mittelamerikas, eher die höheren Temperaturen. Diese Pflanzen können bei Wintertemperaturen unter 15 °C bereits Schaden nehmen. Dagegen wollen Kakteen aus den Anden oder aus höheren Lagen Mexikos zwar sehr hell, aber nicht unbedingt sehr heiß kultiviert werden. Für die Pflege dieser Pflanzen ist daher eine ausreichende, gute Lüftung unentbehrlich, denn bei stagnierender Hitze kümmern diese Kakteen. Starke Unterschiede zwischen der Tages- und der Nachttemperatur sind günstig für sie. In der Überwinterung überstehen viele dieser aus hochgelegenen Regionen stammenden Kakteen, wenn sie trocken stehen, auch Fröste.
Für ausgewählte ausgewählte Licht- und Temperaturverhältnisse geeignete Kakteen
Licht und Temperatur in der Vegetationszeit |
Licht und Temperatur in der Ruhezeit |
Geeignete Kakteen |
Geeignete Unterbringung der Kakteen |
| Vollsonnig und heiß |
Kühl (3-8°C) auch kurze Nachtfröste werden ertragen. Hell |
Aus der Gattung Echinocereus die Untergruppe der Pectinaten und Pflanzen z.B. aus dem Formenkreis um E.triglochidiatus. Vermutlich auch einige Ariocarpen und Coryphanten. |
Geeignet für vollsonniges Gewächshaus oder Frühbeet bei Möglichkeit zu kühler Überwinterung. |
| Vollsonnig und heiß |
Mittlere Überwinterungstemperatur |
Weiß und stark bestachelte Mammilarien, Thelocactus, Coryphantha, Ariocarpus, Turbinicarpus, sehr viele Echinocereen, robuste Astrophyten wie A.capricorne |
Geeignet für vollsonniges Gewächshaus oder Frühbeet |
| Vollsonnig und heiß |
Relativ warme Überwinterung (um 15°C) |
Melocactus, Discocactus, Ferocactus, Echinocactus, Espostoa, Haageocereus, Mammillarien aus Niederkalifornien, behaarte und bereifte Cereen, z.B. Pilosocereus, Empfindlichere Astrophyten wie A.Asterias |
Geeignet für vollsonniges Gewächshaus, das im Winter relativ warm gefahren werden muß |
| Vollsonnig, aber nicht zu heiß (möglichst nicht über 35°C) gute Lüftung. Nächtliche Abkühlung ist wichtig |
Kühl (3-8°C); auch kurze Nachtfröste werden ertragen |
Lobivia (einschl. Chamaecereus); Oreocereus (einschl. Morawetzia); Sulcorebutia; Trichocereus (einschl. Helianthocereus); Oroya; Neowerdermannia; Untergruppe Pseudolobivia aus der Gattung Echinopsis; Untergruppe Digitorebutia aus der Gattung Rebutia; Neobesseya missouriensis; Mammillaria (Mammilopsis) senilis; Untergruppe Tephrocactus aus der Gattung Opuntia |
Geeignet für harte Frühbeetkultur oder helles, gut gelüftetes Gewächshaus. Zum Teil in der Vegetationszeit Kultur auf regengeschützter Fensterbank vor dem Fenster möglich |
| Gedämpft sonnig (Schutz vor praller Mittagssonne im Frühjahr und Sommer). Nicht zu heiß (möglichst nicht über 35°C). Gute Lüftung. Nächtliche Abkühlung ist wichtig. |
Kühl (3-8°C); auch kurze Nachtfröste werden ertragen |
Untergruppen Rebutia und Aylostera aus der Gattung Rebutia. Robuste Mammillarien, z.B. M.rhodantha; Robuste Gymnocalycien, z.B. G.gibbosum oder G.bruchii. |
Geeignet für nicht vollsonniges Gewächshaus oder Frühbeet, zum Teil geeignet auch für Zimmerkultur. |
| Gedämpft sonnig (Schutz vor praller Mittagssonne im Frühjahr und Sommer). Nicht zu heiß (möglichst nicht über 35°C). Gute Lüftung. |
Mittlere Überwinterungstemperatur (5-10°C). |
Grüne Mammillarien; Notocactus, Gymnocalycium, Echinofossulocactus, Cleistrocactus, Untergruppe Neochilena aus der Gattung Neoporteria, Parodia, Copiapoa |
Geeignet für nicht vollsonniges Gewächshaus oder Frühbeet, zum Teil geeignet auch für Zimmerkultur |
| Halbschattig (im Frühjahr und Sommer nur Morgen- und/oder Abendsonne, im Spätherbst und Winter vollsonnig), nicht zu heiß |
Mittlere Überwinterungstemperatur (5-10°C). |
"Phyllokakteen" (Nopalxochia-Hybriden) |
Geeignet für halbschattiges Gewächshaus, robuste Formen auch an Ost- oder Westfenstern in der Wohnung |
| Hell, aber absonnig, möglichst nicht über 25-30°C, hohe Luftfeuchtigkeit. |
Relativ warme Überwinterung (nicht unter 15°C). |
Rhipsalis und andere epiphytische Kakteen |
Gut schattiertes Gewächshaus mit relativ hoher Luftfeuchtigkeit (Orchideen-Klima) oder entsprechend klimatisierte Zimmervitrine oder ausgebautes Blumenfenster. |

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