|
|
|
Aussaat
1. Oberfläche des gesiebten Aussaatsubstrats glätten, 2. Durch vorsichtiges Klopfen mit dem Zeigefinger auf die Samentüte erfolgt das Ausstreuen der Samenkörner, 3. Auf gleichmäßige Verteilung der Samenkörner achten, 4. Grobe Samen in doppelter Kornstärke bedecken, feine Samen unbedeckt lassen .
Die Aussaat bringt uns verhältnismäßig schnell in den Besitz neuer oder seltener Arten, die als erwachsene Pflanzen oft lange Jahre nicht erhältlich sind. Für jeden ernsthaften Kakteenliebhaber ist das Aussäen eine reizvolle Beschäftigung. Mit Interesse wird er verfolgen, wie sich vom Sämling über die Jugendform zur erwachsenen Pflanze manchmal Gestalt und Bestachelung der Kakteen stark verändern. Außerdem kann die Heranzucht von Kakteen aus Samen in großem Maße weitere Kakteenimporte aus den Heimatländern überflüssig machen. Die oft schon stark verminderten Kakteenbestände an den Heimatstandorten werden so geschont. Die Aussaat von Kakteen unterscheidet sich zwar in einigen Punkten von der Aussaat anderer Pflanzen. Wenn man dabei richtig vorgeht, steht jedoch der Erfolg der Kakteenaussaat nicht in Frage.
Kakteensamen für die Aussaat
Die Aussaat von Kakteen und das Anziehen der Jungpflanzen machen zwar viel Freude, erfordern aber auch einige Arbeit. Man sollte daher vor der Aussaat sorgfältig überlegen, welchen Kakteensamen man aussäen will. Es gibt Kakteen, die nur schwer und mit viel Mühe aus Samen herangezogen werden können. So weisen etwa manche Parodien ganz kleine, oft staubfeine Samenkörner auf. Die aus den kleinen Samen keimenden winzigen Sämlinge brauchen lange, bis sie eine Größe erreichen, die ein erstmaliges Pikieren gestattet. Bis dahin liegen sie - und der Kakteenpfleger - in stetem Kampf mit den sie bedrohenden Algen und Schadpilzen. Die Samen anderer Kakteen, etwa die Samen einiger Opuntien, keimen oft schwer. Manche dieser Samen müssen vorgequollen werden, oder sie benötigen eine längere Zeit der Samenruhe - vielleicht bei tiefen Temperaturen -, oder die harte Samenschale kann vor der Aussaat angefeilt werden. Schließlich gibt es Kakteen wie etwa die Ariocarpen, deren Samen zwar gut keimen ihre Jungpflanzen wachsen aber nur sehr langsam heran. Für den erfahrenen Kakteenfreund ist es besonders befriedigend, wenn es ihm gelingt, auch schwierige Kakteen aus Samen heranzuziehen. Der Anfänger wird dagegen seine ersten Aussaatversuche mit einfacheren Kakteen machen. Zu diesen zählt zum Beispiel die Mehrzahl der Cereen, Echinofossulocacteen, Echinopsen, Gymnocalycien, Lobivien, Mammillarien, Notocacteen oder Rebutien.
Der Liebhaber kann nun einerseits gekauften, andererseits eigenen oder von Kakteenfreunden geschenkten Kakteensamen aussäen. Auf jeden Fall muß dieser keimkräftig sein. Zwar behält der Samen von Ariocarpen oder manchen Opuntien bis zu einem Jahrzehnt lang seine Keimkraft doch läßt auf der anderen Seite die Keimkraft von Rebutiensamen schon nach einem Jahr deutlich nach. Der Kakteensamen für die Aussaat sollte daher möglichst aus der Ernte des Vorjahres stammen. Bei einigen Arten allerdings keimt frischer Samen schlecht, er benötigt hier vor der Aussaat eine gewisse Samenruhe. Wenn man genügend Samen zur Verfügung hat, kann man jeweils die Hälfte in diesem, die andere Hälfte aber erst im folgenden Jahr aussäen. Den Grad der Keimfähigkeit kann man den Samen leider nicht ansehen. Die sogenannte Schwimmprobe, wonach der im Wasser untergehende Samen keimfähig ist, der oben schwimmende aber nicht, ist bei Samen von Sukkulenten - wie auch von Kakteen - völlig ungeeignet.
Ferner sollten aus den Kakteensamen tatsächlich die Kakteen keimen, die das Etikett verspricht. Es ist ärgerlich wenn aus den als Gymnocalycium andreae erworbenen Samen dann Hybriden aus einer Insekten - Zufallsbestäubung auflaufen. Und wenn ein Liebhaber den noch fehlenden Notocactus uebelmannianus aus Samen heranziehen will, fühlt er sich geprellt wenn infolge einer Verwechslung beim Samenhändler diese Samen den üblichen Notocactus ottonis erbringen. Beim Einkauf von Kakteensame sollte man sich daher an solide, bewährte Firmen halten. Besonders geschätzt ist am Heimatstandort der Pflanzen gesammeltes Importsaatgut. Dies gilt vor allem dann, wenn es an genau bestimmten Pflanzen fachmännisch gesammelt wurde und unter Angabe des Fundortes verkauft wird. Da in der Heimat zwischen den einzelnen Kakteenstandorten oft beträchtliche Entfernungen liegen, ist bei derartigem Saatgut die Gefahr ungewollter Hybriden klein. An den daraus herangezogenen Kakteen lassen sich sogar Unterschiede zwischen den Standortpopulationen studieren.
Wenn man für sich oder für befreundete Kakteenliebhaber selbst Kakteensamen gewinnen will, so sollte auch dieser keimkräftig sein und keine Zufallshybriden enthalten, an denen selten jemand Freude haben wird. Selbstverständlich wird man schöne, wüchsige und blühwillige Elternpflanzen auswählen. Im allgemeinen benötigt man zur Samengewinnung zwei Elternpflanzen. Einige Kakteenarten, etwa aus der Gattung Frailea oder Rebutia, setzen auch bei Selbstbestäubung Samen an. Unter Selbstbestäubung versteht man dabei, daß die Narbe einer Blüte mit Blütenstaub derselben Blüte oder einer anderen Blüte derselben Pflanze belegt wird. Eine Fremdbestäubung, also eine Bestäubung mit Pollen aus der Blüte einer anderen Pflanze, ist jedoch wegen der breiteren erblichen Grundlage für die Nachkommenschaft vorzuziehen. Die beiden für eine Fremdbestäubung erforderlichen Pflanzen müssen aber vom Erbgut her tatsächlich verschieden sein. Es darf also nicht die eine Pflanze ein Ableger der anderen Pflanze sein, auch dürfen nicht beide Pflanzen Ableger oder Sprosse der gleichen Mutterpflanze sein.
Um ungewollte Hybriden sicher zu verhindern, sollte man die vorgesehenen Elternpflanzen bereits kurz vor dem Aufbrechen der Blüten unter Glocken oder Käfige aus Draht- oder Perlongaze stellen. Derartige Glocken kann man sich aus einem einfachen Grundrahmen aus Holz oder steifem Draht und Draht- oder Fliegengaze (»Fliegengitter«) leicht selbst anfertigen. Die Bestäubung wird vorgenommen, wenn die Blüten voll erblüht sind, die Narbenäste sich geöffnet haben, die Staubgefäße reif sind und der Blütenstaub pulverig wirkt. Zur Bestäubung benutzt man einen weichen Pinsel. Man kann jedoch auch direkt mit einer feinen Pinzette Staubgefäße aus einer Blüte auf die Narbe der anderen Blüte bringen. Wenn man verschiedene Bestäubungen nacheinander vornehmen will, verwendet man verschiedene Pinsel. Danach müssen die Pinsel gründlich gereinigt werden, zum Beispiel durch Ausspülen in medizinischem Alkohol. Vor einer neuen Bestäubung müssen sie natürlich wieder völlig abgetrocknet sein.
Die bestäubten Blüten werden sofort gekennzeichnet, zum Beispiel durch Einstecken eines Etiketts in auffälliger Farbe. Auf diesem können das Datum der Bestäubung und die Pflanzen - Nummer des Bestäubungspartners vermerkt werden. Man kann auch um die einzelne bestäubte Blüte einen bunten Wollfaden schlingen. In einer Liste werden ergänzend zur Farbe des Fadens die Daten der Bestäubung vermerkt. Die bestäubten Pflanzen bleiben bis zum völligen Verwelken der Blüte unter der Gazeglocke.
Die Sorge mancher Kakteenfreunde, ob die als Elternpflanzen vorgesehenen Kakteen auch gleichzeitig blühen werden, erweist sich meist als unbegründet. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Kakteen einer bestimmten Art in einer Sammlung häufig genau am gleichen Tag ihre Blüten öffnen. Falls aber die Elternpflanzen doch zu verschiedenen Zeiten blühen sollten, muß der Pollen aufbewahrt werden
Die Kakteensamen sind nur dann voll keimkräftig, wenn sie vollreif geerntet werden. Manche Kakteen entwickeln eine fleischige Beere. Diese wird abgenommen, wenn sie ausgereift ist. Meist ist sie dann tiefrot gefärbt. Die ausgereifte Beere allerdings muß sorgfältig und vollständig entfernt werden, da sie sonst zu Verschmutzung oder gar - wie manchmal bei Echinocereen - zu Fäulnis an der Mutterpflanze führen kann. Die Kakteensamen werden aus der reifen Beere ausgewaschen. Bei hinreichender Größe der Samen kann dies zum Beispiel in einem Teesieb oder einem kleinen Leinensäckchen in lauwarmer Wasser geschehen. Anschließend werden sie auf Papier ausgelegt und getrocknet. Andere Kakteenarten haben trockene Früchte, die bei Reife aufreißen und die Samen entlassen. Hier muß der Liebhaber den rechten Zeitpunkt zur Ernte erkennen und die sich bereits leicht öffnende Samenkapsel vorsichtig ernten - die Samen könnten dabei herauskullern und verlorengehen. Den geernteten Kakteensamen wird ein Etikett beigegeben, auf dem der Name und das Jahr der Ernte vermerkt werden. Um Schimmelbildung zu vermeiden, sollte man die Kakteensamen so verwahren, daß die Luft Zutritt hat, also nicht in Plastiktütchen oder luftdicht verschlossen, sondern in offenen Glasfläschchen - zum Beispiel ausgebrauchten Arzneifläschchen oder in Papiertütchen. Kakteensamen sollte man bis zur Aussaat bei Zimmertemperatur und trocken aufbewahren.
weiter
|